Donnerstag, 19.06.2008
laxman innertainment system Testbericht
Nachdem ich schon gierig Woche um Woche darauf gewartet habe, war nun endlich auf der Herstellerseite (www.neurotronics.eu) die Vorankündigung des Laxman durch ein Produktfoto ersetzt worden.
Tatsächlich brachte am nächsten Tag der Mann von UPS ein nettes Päckchen, das ich andächtig auffaltete, meine Vorbestellung wurde also registriert und schnell bearbeitet.
Dem sauber verpackten Versandkarton entnahm ich die eigentliche Verpackung - weiss mit grauem Bedruck - sah schon ein wenig nach "apple" aus. Die Latte haben sie sich also hoch gehängt.
Auf der Vorderseite das reduzierte Laxman Logo, auf der Rückseite der Zusatz "that´s Innertainment" - Das gefällt mir schon mal.
Innertainment hört sich für mich nach unabhängiger medialer Gestaltung an, etwas das in mir und durch mich entsteht. Sowas hat, wenn es gut gemacht ist, das Zeug ein neues Zeitalter der Unterhaltung einzuläuten.
Ich klappe also den Karton auf und von einem Paspartout umrandet, bündig mit der Oberfläche strahlt mich dezent die Schutztasche an. Als ich die Tasche herausnehme, wird im Souterrain der Verpackung das Handbuch, ein Batterieset und ein USB-Kabel sichtbar, doch das hat Zeit. Schnell ist der Reisverschluss der Tasche geöffnet und als erstes wird die Brille sichtbar, die für mich als die hauptsächliche Neuerung gegenüber alten mindmachines erwartet wird.
Die Brille ähnelt einer Schwimmbrille, in Form aber nicht im Material. Der weiche Kunststoff zupft nicht so an den Haaren wie das Schwimmbrillen tun und hat eine angenehme Haptik. Das flexible Gummi-Kopfband ist flauschig weich und mit eingewebtem Logo. Gleich entdecke ich, dass man es über einen Schnellverschluss zu Reinigungszwecken abnehmen kann.
Die Kopfbandschnalle hat jeweils eine unauffällige Kerbe, die zur Aufbewahrung der Ohrhörer gedacht ist. Von früheren Mindmachines kenne ich das Problem des Kabelsalates nur zu gut. Anscheinend haben sich die Entwickler hier endlich diesem Problem angenommen.
In der Tasche entdecke ich auch noch die Kabelbinder, mit denen man das Kopfhörerkabel mit dem Brillenkabel verbinden kann. So kann man auch einen eigenen Kopfhörer verwenden, falls man einen besseren schon zu Hause hat. Die mitgelieferten "in ear headphones" sehen allerdings nicht nur hübsch aus (auch mit laxman logo bedruckt), sondern haben auch einen vollen sound, der die speziellen psychoaktiven Klangnuancen gut transportiert.
Nun will ich aber doch auch endlich die Steuereinheit in Augenschein nehmen und packe sie aus der extra Schutzfolie aus. Chromblitzend schimmert sie und verzerrt mein Spiegelbild wohlwollend durch seine sanften Rundungen. Jetzt noch schnell die Batterien einlegen.
Im Handbuch wird durch eine Skizze suggeriert man bräuchte dazu eine Münze als Hilfsmittel, der Batteriedeckel lässt sich aber mühelos mit dem Fingernagel öffnen und schnappt später wieder satt zu - eine saubere Lösung wenn ich an die zahllosen abgebrochenen Plastikhäckchen von Fernbedienungsbatterieabdeckungen denke. Mit dem Enlegen der Batterien startet das Gerät wie von Geisterhand, das irritiert mich etwas, führt aber zu einem netten Aha-Effekt beim nächsten Einschalten des Laxman.
Da erkenne ich nämlich wärend dem booten ein Vexierbild, das mich an einen Ausschnitt aus der Deckenbemahlung der sixtinischen Kapelle von Michelangelo erinnert.
Jetzt gehts also los. Brille und Kopfhörer sind angeschlossen und mit den Kabelbindern verbunden, Batterien eingelegt, Gerät gestartet.
Beruhigend blau wird das Display beleuchtet. Das Menü ist übersichtlich gestaltet, die Schrift groß genug und gut lesbar. Neben den obligatorischen Funktionen einer mindmachine, die ich unter "manual sessions" finde, interessieren mich vor allem die neuen "audiosessions" bei denen hochwertige Ambientmusik eine neue Synthese mit den Funktionen der audiovisuellen Stimulation eingehen soll. "MP3-Player" und "randomsessions" teste ich später.
Im Handbuch finde ich zu jeder Session eine detailierte Beschreibung die mir die Auswahl erleichtert.
Ich setze mir die Brille auf die Stirn und wähle die Session "Underwater" ein wenig quält mich nämlich die Aussentemperatur. Jetzt nehme ich die Ohrhörer aus ihrer Halterung. Mir wird bewusst, dass ich ab jetzt alles erfühlen muss, da die Brille mich komplett von der Umwelt abschottet. Auch wird mir bewusst, das die Entwickler das berücksichtigt haben. Die Gerätetasten erlauben durch ihre spezielle Formgebung eine blinde Navigation. Wärend der Session muss ich ohnehin nur die Lautstärke und die Helligkeit im Griff behalten. Ein Daumen hierfür, den anderen dafür.
Der Sound fadet langsam ein - ich bin ein wenig aufgeregt - jetzt wird es langsam hell. Ein angenehmer, satter Farbraum empfängt mich, ich beginne mich zu orientieren. Meine Erwartungen an die Brille werden übertroffen.
"Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein".
Musik und Licht passen zusammen, wunderbar. Eins mit Licht und Sound frage ich mich plötzlich: "Muss eine mindmachine nicht blinken?"
Im gleichen Moment merke ich, wie der monochrome Farblichtraum langsam zu zittern anfängt. Aha! das Zittern wächst sich nun zu den gewohnten psychedelischen Kaleidoskopmustern aus. Meine Augen sind geöffnet und ich kann mich nicht sattsehen, meinen Körper erfüllt ein strömendes Gefühl. Jetzt schliesse ich doch mal die Augen, die Muster verstärken sich durch den Kontrast meiner Augenlieder. Ich stelle die Helligkeit ein wenig nach, sound und light sind weiterhin synchron. Der Ambientsound ist klasse. Es ist schon mehr ein Hörbuch als Musik, eine akkustische Reise mit Dramaturgie und verschiedenen Phasen, der perfekte Kurztrip. Beeindruckend klare Traumbilder erscheinen vor meinem inneren Auge. Es ist, als könnte ich mir beim Träumen zusehen. Die Bezeichnung der ersten mindmachine aus den 50er Jahren fällt mir wieder ein: "Dreammachine". Und urlaubsreif wie ich bin kommt mir noch eine Definition in den Sinn:
"escape to paradise"
Nach 20 Minuten werde ich sanft durch eine Veränderung der Pulsfrequenz wieder in den Wachzustand zurückgeholt. Sound und light klingen langsam aus. Ich bin wieder da.
Ich nehme die Brille ab und lasse das Erlebnis noch etwas nachwirken. Nach 5 Minuten merke ich, dass sich der Laxman von alleine abgeschaltet hat. Mein Geist ist wach und klar, meine Empfindungen intensiv. Ich entdecke ein paar Fingerabdrücke von mir auf der chromblitzenden Oberfläche und greife in die Tasche nach dem Reinigungstuch. Erst jetzt sehe ich den Aufdruck darauf und nicke lächelnd.
Mein Fazit ist wohlwollend. Die hoch gelegte Messlatte hält dem Vergleich mit einem Apple-Produkt ohne weiteres stand. Hohe Qualität zu
einem hohen Preis. Was aber noch wichtiger ist, und dafür eigentlich viel zu günstig, ist die neue mediale Erfahrung - das Innertainment, gepaart mit den positiven Effekten auf das Gemüt und die Empfindung. Der Laxman ist wirklich ein Quantensprung in der Entwicklung der mindmachines. Nicht nur technisch sondern auch inhaltlich. Erstmals erfährt ein Mentalsystem die längst überfällige Symbiose mit einem MP3-Player, können die MP3s wirklich psychoaktiv aufbereitet werden. Wem das mit der freeware "LaxEdit" zu aufwendig ist, kann seine MP3s im Gerät mit den "manuellen"- oder den "randomsessions" kinderleicht zu einem psychedelischen Erlebnis machen.
That´s Innertainment
Kommentare
Sehr interessant! Habe vor Jahren schon einmal eine mindmachine ausprobiert. Die erschien mir aber doch sehr puristisch und für den Unterhaltungswert etwas zu teuer. Aber es ist eben wie bei Fernsehern, nach der inovation ein paar Jahre Geduld und dann hat man auch was richtiges, ohne Kinderkrankheiten. Der Zeitpunkt scheint nun gekommen, sich so ein Gerät mal zuzulegen - Meinen Flatscreen hab ich ja nun schon :-)